Zapfenstreich

Operation Zapfenstreich – oder: Die Redaktion in der Falle

Der Plan war gut. Die Redaktion wollte den Zapfenstreich nicht einfach irgendwo fotografieren. Nein, es sollte eine exponierte Stelle sein: beste Sicht, beste Perspektive, beste Bilder. Also: Gebäude betreten, Stellung beziehen, Kamera bereit. Alles lief nach Plan. Bis die Redaktion wieder hinauswollte. Denn während draußen der Zapfenstreich seinen geordneten Lauf nahm, stellte man drinnen fest: Tür zu, Ausgang dicht. Die Redaktion saß fest – wie die Maus im Käfig. Nur mit Kamera.

Damit nicht genug: Auch der Zugang zu den Fenstern erwies sich als äußerst eingeschränkt. Lediglich ein winziges Fenster ließ sich öffnen. Und das befand sich ausgerechnet in einer Höhe, die offenbar von jemandem geplant worden war, der Fotografen grundsätzlich für kniende Wesen hält. Im Stehen: unmöglich. Im Sitzen: ebenfalls. Fotografieren ging nur auf Knien. So wurde aus der geplanten Berichterstattung von exponierter Stelle eine Mischung aus Gefangenschaft und unfreiwilliger Demutshaltung. Perspektivwechsel? Fehlanzeige. Was Fotografen sonst gern als bewusste gestalterische Entscheidung verkaufen, war diesmal schlicht alternativlos: eine konsequent durchgehaltene Perspektive.

Deshalb präsentieren wir den Zapfenstreich leider nur aus einem Blickwinkel. Nicht aus Bequemlichkeit und nicht aus mangelnder Kreativität, sondern aufgrund erschwerter Haftbedingungen. Wir bitten um Verständnis. Und fürs nächste Mal stehen neben Kamera, Ersatzakku und Speicherkarte wohl noch zwei Dinge auf der Ausrüstungsliste: Türkeil und Knieschoner.